Krusnoton – eine äußerst lohnende Veranstaltung vor der Haustür

In wenigen Wochen, eigentlich ja Tagen, geht es wieder nach Sölden zum Ötztaler. Der erste Vorbereitungsmarathon dieses Jahr lief gut, sogar besser als gedacht. Seitdem ist etwas Wasser die Elbe hinuntergeflossen, wir waren im Familienurlaub und auch sonst war bzw. ist einiges zu tun gewesen. Ein zweiter Vorbereitungsmarathon konnte also nicht schaden. Und siehe da, es gibt einen, sogar vor der Haustür (wenn man so will): Krusnoton. Der Krusnoton wird in Tschechien gefahren, Start ist in Teplitz. Die Anreise haben wir trotz der Kürze mit einer Zwischenübernachtung in Bärenfels gestaltet, um am nächsten Morgen in aller Früh nur noch die knapp halbe Stunde mit dem Auto zum Start als Anreise zu haben. Der Plan ging soweit auf. Der Wecker schmiss uns 04:30 Uhr aus den Federn, kurz nach 05:30 Uhr saßen wir im Auto und 06:15 Uhr holten wir die Startunterlagen ab.

Der erste Eindruck: trotz der nur 400 Voranmeldungen für die 110km, 180km und 250km erschien mir die Veranstaltung recht groß aufgezogen. Wir machten uns fertig und rollten zum Start, der ca. 5 Minuten vom Parkplatz und Ziel entfernt, in der idyllischen Innenstadt von Teplitz lag. Es war inzwischen kurz vor 07:00 Uhr und der Startblock füllte sich. So richtig viele wurden es allerdings nicht… klar, es hatten sich ja auch nur um die 120 FahrerInnen für die 250km und 4.900Hm entschieden – das ist kein all zu großes Feld.

Der Startschuss ist gefallen… das Feld rollt los… durch Teplitz und auch schon die ersten Straßenzüge mit Steigung. Das Führungsfahrzeug scheint die Gruppe einzubremsen – Glück für mich, ich kann nahezu folgen. Kaum raus aus Teplitz wurde das Feld in die Länge gezogen – die Spreu vom Weizen wurde sozusagen getrennt. Die kleinen Wellen gingen ganz gut, es lief. Bis km 28 jedenfalls. Ich war gerade mal vorn und hörte ein Krachen und Knacken. Mein erster Gedanke „Wer hat denn da seine Schaltung nicht richtig eingestellt!?“ Ich fuhr weiter und dachte mir so „Der R. kann’s nicht sein, der ist gut vorbereitet. Und selbst wenn er es wäre, würde er sich melden…“. Und dennoch drehte ich mich um und sah, wie mein R. mit sich, seiner Contenance und der Schaltung rang. Es stellte sich heraus, dass sich die Kette beim Schalten selbst verbogen hatte – zwei Kettenglieder sorgten dafür, dass die Steighilfe immer wieder griff und es zu einem ungewollten Schaltvorgang kam. Der zweite Streckenposten hatte dann zum Glück auch den Kofferraum voller Werkzeug. Zwei Zangen und Fingerspitzengefühl sollten reichen. Es konnte weiter gerollt werden.

Es wurde hügeliger. Die Anstiege sind längenmäßig überschaubar. Allerdings bringen sie einem dennoch 4%-7% Steigung in die Waden und lassen auch gern mal eine >10% blicken. Im Grunde klingt das machbar. Was hoch geht, geht auch wieder runter – man fährt also letztendlich nur die Hälfte der Strecke mit wirklichem Kraftaufwand. Da die Anstiege so kurz sind, sind das folglich auch die Abfahrten. Das widerrum führt zu einer wesentlich kürzeren Erholungsphase, die ich durchaus benötige. Kilometer 90 war erreicht und Krupka stand an. Unten lief es noch ganz gut, R und ich konnten an den anderen vorbei eiern. Es könnte sein, dass dies an deren höherem Alter lag… aber das glaube ich nicht, es muss unsere Leistung gewesen sein. Im mittleren Abschnitt hatte ich ganz schön zu tun – da machte sich die Rechnung des morgendlichen Gebolzes das erste Mal bemerkbar. Schaue ich mir die Werte von Krupka im Vergleich zum Erztaler aus Mai an… so war das ein Rückschritt.

Über den Kamm ging es die gewohnte und altbekannte Strecke nach Zinnwald. Die ersten schnellen Fahrer überholten uns, ich vermute die 180er. Ich fühlte mich trotz der fehlenden Sonne als Schattenparker. Nach dem kurzen Verpflegungsstopp in Zinnwald ging es in die recht lange Abfahrt nach Eichwald. Auch dort platzten einige an uns vorbei, als gäbe es kein Morgen. Unten angekommen, ging es in die flache Überfahrt nach Klostergrab, um dort in den Anstieg hinauf Richtung Moldau einsteigen zu können.

Und da kam sie dann wirklich, die Rechnung. Ein Oberschenkel nach dem anderen machten dicht. Ende Gelände. Aus die Maus. Jetzt wird erst einmal gepflegt gekrampft. Anhalten bringt mir nichts, das macht’s gefühlt nur schlimmer. Also versuchte ich locker weiterzufahren und den Krampf sozusagen wegzufahren. R stand mir bei – und es sollte nicht das letzte Mal sein (leider). Die besondere Herausforderung ist lediglich das lockere Fahren bei 7% Steigung gewesen – sonst ging’s. Dass die nächsten flinken Fahrer mich stehen ließen, war mir inzwischen nahezu egal. Durch meine langsame Erscheinung konnte ich zumindest den ein oder anderen Fahrer der Teams petz-racing und Die-Fahrrad-Kette „kennen lernen“. Ein schwacher Trost, aber immerhin ein Trost.

Wieder auf dem Kamm angekommen zog der inzwischen zur persönlichen Lok mutierte R mich auch über diesen hinweg zur Talsperre und der zugehörigen Verpflegungsstation. Mir war zu diesem Zeitpunkt nicht klar, wieso ich erst die Hälfte der Strecke geschafft habe, geschweige denn, wie ich die zweite Hälfte schaffen soll. Die Verpflegungsstationen wurden immer mit einem Schild „Bufet“ angekündigt – das motivierte durchaus ein klein wenig. Und es war wirklich gut, was es dort gab, wie es organisiert war und wie sich die Helfer um einen kümmerten. Ich fühlte mich zwar nicht besonders, aber ich glaube auch nicht, dass ich so beschissen daherkam, als das ich unbedingt Hilfe benötigte. Gut… zumindest noch nicht beim ersten Anlauf dieser Station an der Talsperre. Richtig, hier sollte es noch einmal lang gehen.

Nach einer kleinen Abfahrt ging es wellig weiter, bis dann wirklich die Abfahrt nach Leutensdorf kam und wieder ein Hauch von Erholung. Bevor es Richtung Ziel ging, mussten wir noch einmal hhoch auf den Kamm… klar… macht man so… sieht man sich durchaus zweimal an die Talsperre… Die Kraft schwand. R blieb bei mir und zog wie eine Lok, die unendliche Kraft und Ausdauer hatte. Es ist und bleibt mir ein Rätsel. So schlecht kann ich doch gar nicht sein, dass ich so durchhänge!? Wir waren nur noch zu zweit. Ich liebäugelte schon mit dem letzten Platz.

Wir fuhren das zweite Mal das „Bufet“ an der Talsperre an. Ich brauchte ein paar Minuten. Es tat weh. Ich war leer. 175km liegen hinter uns… allerdings auch noch 75 vor uns. Verdammte Axt – es wurde gefühlt nicht weniger, geschweige denn flacher. Und wieder ging es runter nach Leutensdorf. Dieses Mal durften wir auch abbiegen Richtung Ziel – „nur“ noch 50km. Im besten Fall noch 2h. Es wurde flacher. Aber weil flach ja sinnlos ist, hatte man organisatorisch auch wirklich für alles vorgesorgt und so wurde es windig. Mir stand’s hier! Das Profil war mir noch in Erinnerung und so kamen mir die beiden kleinen Spitzen auf den letzten Kilometern in den Sinn. An der letzten Verpflegung konnte ich mich von der hügeligen Anfahrt zu den beiden Endgegner meinerseits überzeugen. Ich bat R um 5 Minuten Zeit. Es waren nur noch knapp 30km. Aber selbst 30km kommst nicht mit leerem Tank. Schei***… Hoppala war’s.

Aufgesattelt und weiter ging’s. Eine Welle hier, eine Welle da… inzwischen schmerzte es auch nicht mehr. War ich bereits verstorben? Nein, R sprach noch mit mir, ich musste also noch da sein. Die Sonne war auch noch da. Die letzten Kilometer rissen wir an. Es rollte einigermaßen. Für mich sowieso, da ich der Lutscher in Person war. Irgendwann rollten wir durch Teplitz und bogen auf die Zielgerade ein. „Piep“ über die Matte, schnell den Transponder abnehmen lassen und 30m bis zum Auto rollen. Fertig. Platz 85 für R. und Platz 86 für mich. Also wenn der R. so in Sölden fährt… gar nicht auszudenken…

Mein Fazit: irgendwas muss ich anders machen – ich weiß nur noch nicht genau was und wie.

Das Wort zum Schluss

Ansonsten kann ich den Krusnoton wärmstens empfehlen. Knapp 20€ Startgebühr. Ausgezeichnete Versorgung beim „Bufet“. Die Organisation an der Strecke sucht seines Gleichen. Jede Kreuzung, jeder Kreisverkehr, jede Baustellenampel… jeder Verkehrspunkt wurde mit mind. 2 Personen abgesichert. Diese hielten den fließenden Verkehr auf und garantierten bremsfreies passieren. Da kommst du aus dem Staunen gar nicht mehr raus, was die Tschechischen Kollegen da auf die Beine gestellt haben. Grandiose Veranstaltung!

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