Fertigteilhaus, massiv mit Kern-Haus, Porenbeton oder Hochlochziegel

Welche Bauweise?

Eigentumswohnung oder Haus?
Gelb oder grün?
Die Antwort darauf hängt davon ab, was für ein Typ man ist.
Was aber ist die Antwort auf die Frage „Welche Bauweise?“. Ist das auch typabhängig? Natürlich nicht. Der Typ spielt sicherlich eine Rolle, darf bzw. sollte aber nicht die alleine Entscheidungsbasis bilden.
Da gibt es gefühlt unzählige Möglichkeiten. Wir haben uns mit den folgenden näher auseinandergesetzt:

  • Fertigteilhaus
  •  Massiv
    • Kern-Haus
    • Porenbeton
    • Hochlochziegel

Fertigteilhaus

Mit einem knackigen Zeitplan, landet man vermutlich bei dieser Bauweise. Im Vergleich zum Massivhaus, scheint es mir die schnellste Bauweise zu sein. Mir persönlich missfällt allerdings, dass die Wände eben doch nicht massiv sind. Das ist eines meiner Bauchgefühle. Ich habe eben schon Hochwasser an der Elbe erlebt, bei dem Fertigteilhäuser danach zum Wegwerfen waren – massive konnten hergerichtet werden. Jedenfalls hatte ich dabei abschließend kein überzeugendes Gefühl, woran auch der etwas günstiger Preis gegenüber Kern-Haus und sonstiger Massivbauweise nichts ändern konnte.

Massiv

Kern-Haus

Bei der Suche nach Grundstücken sind wir bei Kern-Haus gelandet. Der ersten Anfrage folgte eine Einladung zum Bauherrenabend. Zufriedene Bauherren berichteten von ihren Erfahrungen mit Kern-Haus. Eingeladene Immobilien- nud Grundstücksexperten berichteten (oder unterrichteten) Grundlagen in den Gebieten Grundstückssuche, -auswahl und auch -kauf. Durchaus interessant für Neulinge. Es folgten weitere Gespräche mit einem konkreten Projektleiter von Kern-Haus Dresden. Ein sehr symphatischer Mensch. Gemeinsam besichtigten wir mehrere Kern-Haus-Objekte, teilweise noch im Rohbau, teilweise aber auch schon fast bezugsfertig. Ein erstes Gefühl für Größen und Ausrichtungen entwickelte sich. Kern-Haus bietet eine massive Bauweise, allerdings etwas anders, als man es eigentlich kennt. Es ist also nicht Stein-auf-Stein, sondern es werden Styropor-Wände gestellt. Ist die erste Ebene fertig, werden diese Styropor-Wände mit Beton ausgefüllt und bilden eine gedämmte Wand. Ich erinnere mich an eine Situation in einem Rohbau:
Kern-Haus Projektleiter: „Legen Sie mal die Hand auf…“ und zeigte auf die fertige Wand (Styropor-Wand mit Beton ausgefüllt)
Ich legte meine Hand auf und stellte fest „… wird warm…“
Der Kern-Haus-Projektleiter erklärte mir, dass es auf Grund der Styropor-Dämmung einfach warm werden muss. Und bei dieser massiven Bauweise befindet sich innen und außen bereits Styropor an den Wänden, also bereits eine optimale Dämmung. Nachdem ich dies erst einmal benickte, machte ich mir natürlich im Nachgang Gedanken dazu. Ich kam zur Erkenntnis, dass das Styropor warm werden musste, da meine Hand auf Grund der Körpertemperatur eine gewisse Wärme abgibt. Natürlich dämmt Styropor auch, keine Frage – allerdings war die Erklärung an dieser Stelle für meine Begriffe an den Haaren herbeigezogen.
Die Bauweise an sich schien mir aber doch ein paar Vorteile zu bringen. Im Vergleich zum Fertigteilhaus geht es ähnlich schnell voran, ist allerdings massiv.
Der Kern-Haus Projektleiter brachte noch einen weiteren Vorteil ins Spiel: durch die Bauweise mit integrierter Dämmung innen und außen, erreicht man trotz dünnerer Außenwände die gleichen Dämmwerte, wie mit Porenbeton oder Hochlochziegeln. Heißt im Umkehrschluss nach Kern-Haus-Logik: bei gleicher Grundfläche erhält man mehr Wohnraum. Ein gutes Argument. Bei genauerer Betrachtung sprechen wir vermutlich von einem Gewinn von 2-4m²/Etage bei 10m x 10m Grundfläche und das macht das Argument widerrum etwas schwächer.
Im Laufe der Zeit besuchten wir auch ehemalige Kern-Haus-Bauherren, die uns ihr Häuschen zeigten und durchweg positiv über Kern-Haus berichteten. Ehrlich gesagt, hätte es mich gewundert, wenn etwas negatives gekommen wäre. Es hätte mich aber beruhigt, wenn etwas negatives gekommen wäre. Warum? Recht simpel: Menschen bauen. Menschen machen Fehler. Es ist in meinen Augen nicht das Problem einen Fehler zu machen, sondern es ist die Frage, wie mit dieser Situation umgegangen wird. Das macht’s am Ende für mich aus (nicht nur als Bauherr).
Bei diesen Besuchen in fertigen Kern-Häusern fiel mir etwas auf, was ich aber noch nicht richtig einzuordnen wusste. In weiteren Gesprächen im Freundes- und Bekanntenkreis brachte ich dieses Gefühl immer wieder mit ein. Irgendwann bekam ich dann die entscheidende Frage gestellt, was ich denn glaube, wo das Wasser aus dem eingefüllten Beton hingeht. Styropor erschien mir nicht besonders wasserdurchlässig und erscheint es mir auch heute noch nicht. Zudem erreicht man im Normalfall durch eine Außendämmung die Verlagerung des Taupunktes nach außen. Wird nun aber innen und außen gleichermaßen gedämmt, dann bleibt der Taupunkt, wo er ist. Das erscheint mir in Kombination mit weniger atmungsfähigem Styropor nicht sehr vorteilhaft. Die Zweifel an dieser massiven Bauweise schienen mir mit zunehmender Zeit und Überlegung doch keine Vorteile zu sein.

Eine weitere interessante Frage an damalige Bauherren war: Weshalb hast du dich für deine Bauweise entschieden?
Bauherren von Fertigteilhäusern wollten möglichst schnell und umweltschonend bauen.
Bauherren der massiven Bauweise (Porenbeton, Hochlochziegel) wollten wertbeständig, dauerhaft und mit einem guten Raumklima bauen.
Das war es also, dieses Raumklima, welches mir bei den Besuchen von bewohnten Kern-Häusern auffiel. Es war das Raumklima, was mir missfiel. Es war ein gefühlt ungewohnt feuchtes Raumklima, was wir vorfanden. Die besuchten Kern-Häuser waren schon bis zu 3 Jahre bewohnt.
Wenn man jetzt sagt „Ok, es ist eine günstigere Bauweise, bei der wir also finanzielle Mittel sparen können, also gehen wir diesen Kompromiss des Raumklimas ein.“, so mussten wir feststellen, dass sich ein Kern-Haus auf dem gleichen Preisniveau eines echten massiven Hauses befindet.
Und damit war es dann für uns klar, dass wir diese zugegebener Maßen interessante und schon länger am Markt befindliche massive Bauweise nicht für uns wählen werden.

Porenbeton und Hochlochziegel

Porenbeton scheint mir im Moment die am häufigsten gewählte Bauweise zu sein – jedenfalls hier in unserer Gegend. Weiße Steine haben einen großen Vorteil: die Baustelle ist sauber(er als beim Hochlochziegel) und beim späteren Boren rieselt es nur weiß aus der Wand 😉 . Fragt man zu diesen beiden massiven Varianten Architekten, Bauleiter, Immobilienmakler, Bauherren, Eigentümer usw. bekommt man durchweg positive Rückmeldungen. Das macht die Entscheidung nicht leichter, aber erträglicher. Vor 50 Jahren wurde mit Ziegelsteinen gebaut und auch heute baut man noch mit Ziegelsteinen. So schlecht kann es also nicht sein. Und so entschieden wir uns für ein rotes Rieseln, wenn wir ein Loch in die Wand bohren werden – den Hochlochziegel.

Auch wenn es viel Zeit und evtl. auch Nerven kostet (das ist keine Drohung, es ist ein Versprechen 😉 ) – trefft die Entscheidung nicht innerhalb von 3 Terminen!
Bei einem Auto rennen wir teilweise öfter ins Autohaus, bevor wir uns schlussendlich entscheiden – und ein Auto hat (im Normalfall) einen geringeren Wert als ein Haus!

PS.: Ich bin kein Baugutachter, Architekt, Bauingenieur oder Experte auf dem Gebiet des Bauhandwerks – es sind lediglich meine Gedanken, wie wir für uns zu einer Entscheidung gefunden haben.

3 Kommentare

  1. Andre Engelhorn

    Gute Entscheidung, haben vor etwas mehr als 5 Jahren aus ähnlichen Gründen die gleiche Entscheidung getroffen und nicht bereut,
    VG, André

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    1. Martin (Beitrag Autor)

      Das beruhigt André.
      Manche Entscheidungen müssen einfach etwas länger reifen – dann wird’s auch passen.

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  2. Matthias Lohse

    Wir kommen bisher auch ganz gut mit dem roten Rieseln zurecht 🙂 Gute Entscheidung!

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