Ausgeträumt

Trostlos hängt es im Regen

Sportlich betrachtet ist dieses Jahr der Reinfall schlechthin. Der lange Winter, der verkorkste Frühling, keine Woche Mallorca, zwischendurch immer mal wieder einen Schnupfen o.ä. Eine optimale Vorbereitung sieht anders aus, aber immer könnte dies noch für eine gute Vorbereitung reichen. Mit knapp 3.000km verteilt auf 31.000 Hm sah es im Vergleich zu knapp 5.300km und 46.000 Hm im Debütjahr 2010 mies, aber zu 2011 mit 4.400km und 38.000 Hm gar nicht so schlecht aus.

Die Wettervorhersage schwankte in der Woche zuvor von bestem Sommerwetter bis hin zum Alptraum. Je näher der Sonntag kam, desto genauer und schlechter wurden die Wetterprognosen. Hamsterkäufe setzten in Sölden ein. Der neue Trend sind wohl Regenjacken in jeglicher Form, Farbe, Größe… egal, Hauptsache Regenjacke. In meiner Größe gab es übrigens keine mehr. In üblicher Gewohnheit haben wir drei unsere Räder startklar gemacht. Die Klamottenauswahl war dann auch recht schnell erledigt, es sollte mindestens feucht werden.

Bei der Fahrerbesprechung gab es keine Anzeichen einer Streckenverlegung/-verkürzung o.ä. Mit dem Einläuten der Nachtruh um 21:00 Uhr, setzte dann der angekündigte Regen ein. Er entpuppte sich als Dauerregen. Pünktlich um 04:00 Uhr endete die Nacht. Das Gehör verriet: es regnet. Die Temperatur war mit 9°C recht human, bin ich doch aus 2010 und 2011 2-4°C bei der Startaufstellung gewohnt. Meine Aufmerksamkeit galt erneut dem Wetter. Im Laufe des Tages sollte es sich bessern. Allerdings, schaute ich mir die Strecke und meine zu erwartenden Zeiten an, so würde mich der Regen bis an den Fuß des Jaufen begleiten. Für mich hieße das knapp 5h im Regen zu fahren. Ab dort wären mind. weitere 5h erforderlich bis zum Ziel. Wenn zwischendrin nicht die Abfahrt nach Ötz und die Abfahrt vom Kühtai wären. Besonders das Kühtai machte mir Sorgen. Bei Regen zu fahren ist mir wohl bekannt. Bei Regen einen Pass abzufahren dagegen nicht. Eine gewisse Angst machte sich in meinem Kopf breit. Wirst du dich und deinen Bock sicher abbremsen können? Meine Kernfrage. Für den Fall des Regens musste ich sie mir mit „Nein.“ beantworten.

Starte ich also und fahre mit nach Ötz oder gar aufs Kühtai, um dann spätestens dort zu entscheiden, ob es weiter geht oder ich zurück fahre? Wenn ich das Kühtai passiere, muss ich zu Ende fahren. Der Regen ließ nicht nach. Es gingen mir so einige Gedanken durch den Kopf. Zum Einen hat man mit dem zurecht zu kommen, was die Situation gerade bietet – eben das beste draus zu machen. Andererseits stellt sich immer wieder die Frage, ob es das Risiko wert ist. Ich eröffnete meinen beiden Kollegen, dass ich in Erwägung ziehe nicht zu starten. Sie nahmen es auf, allerdings glaube ich, dass sie dachten ich mache einen Scherz.

Gemeinsam nahmen wir unser Frühstück ein. Gegen 05:00 Uhr begann die allgemeine Aufbruchstimmung einzukehren. Es regnete nach wie vor. Der Gedanke an schmierige Kurven, nasse Straßen und Bremsen bei bis zu 16% Gefälle… ich habe eine wundervolle Frau und zwei kleine Männer… jetzt sich hier irgendwie einer unnötigen Gefahr aussetzen und damit nicht mein täglich Brot verdienen… „Ich bin raus!“ ertönte es plötzlich.
Verdutzte Gesichter bei beiden Kollegen. „Echt jetz?“ und ich bejahte es.

Die beiden machten sich fertig. Robin bekam mein Schutzblech und meine Brille. Hagen meine Oberrohrtasche. Beiden schnippelte ich eine Mülltüte zurecht, die sie bis zum Start überziehen sollten. Ich begleitete sie zu den Rädern. Sie rollerten los und ich unterhielt mich noch mit der Hausherrin. Diese war sichtlich aufgeregt, da ihre Tochter starten würde. Das Wetter machte ihr Sorgen. Beim Weg nach oben unterhielt ich mich noch mit zwei Oberösterreichern, die das erste Mal dabei waren bzw. wären. Beide haben ebenfalls entschieden nicht zu starten. Ihnen war es die Gefahr nicht wert, wie einer meinte. Seine Worte „Da werden sich noch Dramen abspielen heute!“ hallten im Treppenaufgang. Er konnte es nicht verstehen, wie einige bei diesen Bedingungen ohne Regenüberschuh, mit kurzen Handschuhen, ohne Kopfbedeckung usw. antreten können. Der Gedanke an lange nasse  Handschuh in der Abfahrt vom Kühtai, die zum fixen Auskühlen der Hände führen würden… ich nickte in mich hinein.

Trostlos hängt es im Regen

Trostlos hängt es im Regen

06:30 Uhr begab ich mich mit meinem Schirm bewaffnet zum Start. Ich wollte Robin und Hagen zumindest noch alles Gute wünschen. Der Regen ließ minimal nach, die Straßen waren gut gewässert. Bald sah ich die beiden auch. Sie entledigten sich soeben ihrer Mülltüten, denn in wenigen Minuten sollte der Kanonenschlag zum Start erfolgen. Beide konnten lachen, aber es war wohl auch kalt. Und schon ging es los. Das Feld setzte sich in Bewegung. Tausende einklickende Pedale, surrende Ketten… und ich nur so daneben am Rand. Ich verzog mich auf die Wiese, denn, zugegebener Maßen, es tat irgendwie weh.

Rückzug auf die Wiese

Rückzug auf die Wiese

 

Ich machte mich auf den Heimweg und ging noch einmal an meinen vorbereiteten, nicht angerührten Dingen vorbei.

Ready to go

Ready to go

 

Vorbereitet und liegen gelassen

Vorbereitet und liegen gelassen

Ausgeträumt sitze ich nun da und verfolge die Zeiten meiner beiden Kollegen und des Twitterkumpels Markus.
Gestartet sind wohl nur knapp 3.300. Bereits in Ötz haben ca. 130 Fahrer aufgegeben. Die Durchfahrtskontrolle Gasteig/Jaufen haben rund 2.500 Fahrer passiert.

PS.: Es war keine leichte Entscheidung und ein bisl bereuen ist wohl normal.

1 Kommentar

  1. Din

    Die Entscheidung möchte wohl keiner Treffen. Tut mir sehr leid zu lesen. Sehr schade.

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