Arber Radmarathon 2010

Nachdem der Highlander Radmarathon sprichwörtlich ins Wasser gefallen war, wollten wir uns zum Arber Radmarathon 2010 begeben. Das Wetter schien nicht unbedingt besser zu sein, aber man glaubt eben doch an das Gute im Menschen… oder eben im Wettergott. Am Samstag ging es gegen 15 Uhr nach Regensburg. Die ca. 350km waren recht schnell abgespult. Wir wollten unbedingt bis 18:30 da sein, um die Nachmeldung noch bis 19 Uhr abschließen zu können. Angekommen am Startpunkt fanden wir sogleich die Nachmeldestelle und es ging erstaunlich schnell mit ca. 5 Minuten. Da war ich schonmal positiv angetan. Beim Radmarathon zur Augustusburg habe ich immerhin gute 30 Minuten herumgestanden, bis überhaupt der erste abgefertigt wurde. Das Wetter… Regen, Regen, Regen. Ich war mir nicht sicher, ob ich am nächsten Morgen bei diesem Mistwetter Rad fahren wollte. Aber nun bin ich einmal dagewesen und… was will man machen.

Gute Planung ist die Wurzel allen Übels... oder so ähnlich (ja, auch das Rad schreibe ich auf)

Gute Planung ist die Wurzel allen Übels… oder so ähnlich (ja, auch das Rad schreibe ich auf)

Es passte (fast) alles in einen Rucksack

Es passte (fast) alles in einen Rucksack

Mit den Unterlagen im Gepäck ging es ins Hotel. Ich hatte zuvor ein 3-Bettzimmer im Best Western Atrium reserviert. Unser dritter Mann, der Chef, war schon vor Ort und versuchte krampfhaft, aber erfolglos, das dritte Bett zu finden. Nachdem wir ihn dabei unterstütz haben, stellte sich heraus, dass das Zimmer zwar zwei Betten und eine Couch hatte, diese aber nicht zum Ausklappen schien und auch so die Utensilien auf ein typisches 2-Bettzimmer hindeuteten. Nunja, erstmal zurück an die Rezeption. Diese war doch leicht überrascht… jedenfalls wollte sie aufbetten… die Couch zum Bett machen. Da wir kein Frühstück bekommen konnten (gibt’s erst ab 7 Uhr, wir hätten es 4:30 Uhr gebraucht) und die versprochenen Lunchpakete auch nicht zu realisieren waren, sind wir nochmal los zum Einkaufen. Als wir zurückkamen die große Überraschung: die Couch ließ sich nicht ausklappen – welch Wunder, wir waren nicht wirklich überrascht und verkniffen uns jegliche Kommentare 😀 . Wir bekamen noch ein Einzelzimmer dazu.

Ich begann mir mein Zeug für den Morgen… nein… für die Nacht vorzubereiten. Immerhin sollte der Wecker 4:05 bimmeln und ich bin bekennender Spätaufsteher – oh war mir unwohl dabei. Nur nicht verschlafen, Martin. Jedenfalls bin ich gegen 21 Uhr ins Bett und habe zu meiner Erstaunung auch recht schnell in den Schlaf gefunden. Mein Mitbewohner wollte noch die Tour de France schauen… beginn war 22 Uhr… gegen Mitternacht lief der Fernseher noch immer und er schlief. Am nächsten Morgen fragte er mich, ob ich noch geguckt hätte, denn er sei kurz nach Beginn der Zusammenfassung eingeschlafen 😀 .

Die Nacht kam… und um 4:05 ging sie auch schon wieder. Ich habe recht gut geschlafen. Der Blick aus dem Fenster zeigte… es war dunkel (logisch) und es schien relativ trocken zu sein. „Gefrühstückt“, fertig gemacht und los ging’s zum Start. 6 Uhr sollte es losgehen und 5:59 Uhr war ich fertig mit dem ganzen Gerassel, pünktlich, wie immer also.

Ein "Frühstück"...

Ein „Frühstück“…

Das große Feld der Starter zur 250km-Tour schlängelte sich durch das noch schlafende Regensburg. Übrigens scheint Regensburg eine recht schöne Stadt zu sein, ist zumindest mein erster Eindruck so aus der Ferne. Bereits hier zeigte sich die einwandfreie Organisation der Veranstaltung. Die Polizei, Feuerwehr und zahlreiche Helfer sperrten die Kreuzungen für die ungehinderte Durchfahrt der mit der Zeit zunehmenden Felder. Innerhalb weniger Minuten war immer ein Motorrad oder Auto der Polizei zu sehen, die die gesamte Veranstaltung über die Felder auf und ab fuhren. Es gab ein gewisses Gefühl von Sicherheit, was sich später noch bestätigen sollte.

Von Feld zu Feld ging's ab dem Start (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Von Feld zu Feld ging’s ab dem Start (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Da wir von hinten zu zweit gestartet sind und unser Chef vorn irgendwo war, versuchten wir zügig vor zu kommen. Es ging weniger darum, ihn zu finden, vielmehr wollten wir nicht die letzten sein. Fällt man als letzter mal zurück, so gibt es keine weitere Gruppe, die einen aufnehmen kann. Das Tempo schien mir ziemlich hoch und ich dachte schnell „Oh Gott… wenn das so weiter geht, bin ich noch vor dem ersten Verpflegungspunkt gestorben.“ Das Wetter war übrigens super. Die Sonne kam durch, einzelne Wölkchen verhüllten sie ab und zu und bei den ersten Wellen fuhren wir vom grauen Tal durch den Nebel über diesen auf eine atemberaubende Aussicht… unbeschreiblich. Man fährt 50Hm rauf und ist „über den Wolken“, wo die Sonne anfängt zu kitzeln…

Der Morgennebel verzieht sich langsam - es gab traumhafte Bilder (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Der Morgennebel verzieht sich langsam – es gab traumhafte Bilder (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Am ersten Verpflegungspunkt dann hatten wir tatsächlich unseren Chef gefunden. Er hatte Knieprobleme. Da er die letzten Tage in den Alpen Pässe fahren war, wundert mich das nicht wirklich. Er neigte dazu doch nur die 170km-Tour zu fahren. Wir starteten also gemeinsam zum nächsten Abschnitt. Bald schon kam der Abzweig zur 170km-Tour. Es war, denke ich, klug, dass er sich hierfür entschieden hatte. Seinen Worten nach, ging es ihm ebenso. Wir anderen zwei fuhren zur geplanten 250km-Tour. Weiterhin hatte ich den Wunsch geäußert, dass ich gern zu zweit fahren möchte, natürlich möglichst mit anderen, aber zumindest sollten wir uns nicht weiter verlieren. Das klappte ganz gut. Mal war er weiter vorn, mal ich… je nachdem… es klappte jedenfalls.

Die Sache mit dem Lächeln... übe ich nochmal (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Die Sache mit dem Lächeln… übe ich nochmal (Copyright by First Foto Factory GmbH)

So kam alsbald der erste Anstieg. Das Feld streckte sich unheimlich weit. Für den normalen Verkehr war es schwer eine passende Lücke zu finden. Ich denke, durch die Präsenz der Polizei blieb es besonders friedlich – beiderseits. Also auch hier hatte sich das Aufgebot gelohnt. Es ging hinauf zum Arber oder zumindest ab ihm vorbei. Die Steigungen hielten sich in humanen Grenzen. So um die 8% war das Maximum, was ich in Erinnerung habe. Das kann man noch relativ entspannt wegkurbeln. Wesentlich unangenehmer sind da die 5%-Steigungen, die über Wiesen und Felder gehen. Warum? Man sieht es einfach nicht, dass es 5% sind und neigt dazu, sich kaputt zu fahren. Da muss man höllisch aufpassen. Nach dem Arber gab es den nächsten Verpflegungspunkt, den wir kurz mitnahmen und weiter ging es direkt in den nächsten Anstieg auf über 1.100m neben den Hochzellberg. Hier fiel uns auf, dass auch 8% schwer sein können. Es ist nämlich einfacher eine Passstraße zu fahren, bei der man Kehren hat (die meist numeriert sind). So hat man immer ein Ziel und eine Kontrolle vor Augen. Im Endeffekt macht es keinen wirklichen Unterschied, es ist in diesem Fall einfach nur eine Kopfsache. Aber wir wissen ja: an Kopfsachen sind schon manche Dinge gescheitert. Wir haben es aber geschafft.

Das nach der Abfahrt folgende Stück war die Hölle. Wir fanden eine Gruppe, der wir uns anschlossen. Das Ergebnis war traurig. Diese Gruppe machte unheimlich viele Tempowechsel. Das waren keine Jungfüchse sondern gestandene Herren auf den Böcken. Ob sie das nötig hatten? Ich weiß es nicht. Mein Ansage war jedenfalls klar und deutlich: „Lass abreißen, wir fahren uns sonst die Beine zu.“. Gesagt, getan.

Wir hatten wirklich Spaß (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Wir hatten wirklich Spaß (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Wir befinden uns bei Kollnburg. Eine leichte Steigung. Ein Feld. Ich am Ende. In einer Gruppe fährt man doch leicht versetzt zueinander. Man nimmt Rücksicht aufeinander. Geht man aus dem Sattel, schaltet man einen Gang runter, zeigt am Besten den anderen an, dass man aus dem Sattel gehen will. Soweit die Theorie. Die Startnummer vor mir ging einfach aus dem Sattel, in einen weit auspendelnden Wiegetritt und brach zudem noch aus. Wir erinnern uns „in einer Gruppe fährt man leicht versetzt“. So schnell konnte ich nicht reagieren und es kam zum Kontakt. Letztendlich eierte ich noch etwas herum, eh ich dann doch über sein Hinterrad kippte und den Freund Asphalt näher kennen lernte. Der Kontaktmann hielt an, kam auch zurück, sagte aber kein Wort – fand ich merkwürdig. Die angesprochene Polizei-Präsenz war auch hier gegeben, denn ein Motorrad war direkt hinter uns. Er hielt sofort an, wollte den Krankenwagen rufen, da mein Knie etwas stärker gen rot verfärbt war und es nicht weniger wurde. Letztendlich einigten wir uns auf Pflaster und Binde. Wir zerlegten seinen Sanikasten und verbanden gemeinsam mein Knie. Die STIs am Rad waren leicht ramponiert, einen richtete ich wieder halbwegs gerade aus, spannte die Laufräder neu ein und weiter ging es samt meinem Kollegen. Ein wenig schmerzte das Knie. Das Handgelenk meldete plötzlich auch Schmerzansprüche und schien sich mit der Schulter abgesprochen zu haben. Klamotten waren nicht direkt kaputt, nur die Hose war an der Hüfte angeraut. Beim folgenden Verpflegungspunkt nahm ich Nahrung auf, als es hinter mir sprach „Wie geht es dir? Alles gut soweit?“. Ich drehte mich um, und sah den Beamten wieder. Ich sagte, dass soweit alles gut sei und ich weiterfahren würde. Er bat mich dennoch zum Saniwagen zu gehen, damit die Profis (wie er meinte), sich die Sache mal anschauen können. Ich folgte diesem Wunsch. Die Sanis machten eine Salbe drauf und eine neue Binde. Die Fixierung war in der Tat etwas professioneller als unserer 😀 . Weiter ging es frisch gestärkt. Unterwegs kam der Polizist dann nochmal an meine Seite gefahren. Er benötigte noch meine Startnummer fürs Protokoll. Er hatte mich also nochmal gefunden. Es gab drei Dinge, die mich weiterfahren ließen: Glück, Adrenalin und dieser Beamte mit seiner ersten Hilfe und Fürsorge. Dieser Beamte… dieser Beamte auf dem Motorrad (Regensburger Kennzeichen) und der Nummer 1 auf dem Rücken… er ist für mich der Held dieser Veranstaltung! Ich habe ihm ein wirklich ehrlich gemeintes „Danke dir!“ entgegengeschmettert.

Glück gehabt, hätte wesentlich schlimmer ausgehen können

Glück gehabt, hätte wesentlich schlimmer ausgehen können

Die nächsten Kilometer waren dann hier und da etwas schmerzhaft. Nicht unbedingt wegen des Zwischenfalls. Die Beine wurde schwerer. Von Kilometer 170 bis 190 war ich irgendwie in einem Loch. Es nahm kein Ende. Immer wieder diese kleinen giftigen Anstiege mit 5-12%. Sie sind nicht lang. Man hat aber keine echte Zeit sein Tempo zu finden. Die „Abfahrt“ ist zu kurz für eine echte Erholung. Das raubt echt die Kräfte. Zunehmends wurde der Wind stärker, natürlich als Gegenwind.

Mind. 170km in den Beinen, aber das Lächeln sitzt diesmal (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Mind. 170km in den Beinen, aber das Lächeln sitzt diesmal (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Mein Kollege und ich bildeten eine kleine 2er-Gruppe 😀 . Nach und nach sammelten wir den ein oder anderen Fahrer noch mit auf. Einige lutschten nur, was in Anbetracht der Fahrleistung aus meiner Sicht ok war – irgendwann ist die Luft einfach raus. Andere beteiligten sich am Kreisel. So fuhren wir dann doch wieder recht zügig nach Regensburg hinein. Das Loch war überwunden. Die Beine waren zwar schwer, aber sie rotierten einfach… einfach so.

Unterschätzt das Mittelgebirge nicht: Die Wellen verlangen einem schon viel ab (Copyright by First Foto Factory GmbH)

Unterschätzt das Mittelgebirge nicht: Die Wellen verlangen einem schon viel ab (Copyright by First Foto Factory GmbH)

In Regensburg ging es dann über den Radweg zum Ziel. Das war etwas unangenehm, aber verständlich. Durch das zerpflückte Starterfeld wäre Regensburg verkehrstechnisch im Chaos versunken, wenn wir alle auf der Straße gefahren wären… schön kleckerweise. Von daher war das wohl die richtige Entscheidung, auch wenn viele gemault haben. Aber hier muss man dann einfach auch mal die andere Brille aufsetzen.

Durch das bereits gut gefüllte Ziel rollten wir kurz nach 16 Uhr mit guten 245km und ca. 3.700Hm auf der Uhr und in den Beinen. Somit waren wir etwas mehr als 10h unterwegs. Die reine Fahrzeit war mit gut 9h05min aus meiner Sicht super. Ich hatte mir innerlich ein Ziel von unter 10h gesetzt – das schien mir realistisch. Ein paar weitere Details sind dem Eintrag im Trainingstagebuch zu entnehmen. Ich habe es nicht bereut das Ding zu Ende zu fahren! Das war es mir allemal Wert. 🙂

[tb type=workout id=434708]
Wir satteln die Pferde... die motorisierten 250 Pferde, um genau zu sein

Wir satteln die Pferde… die motorisierten 250 Pferde, um genau zu sein

Als nächstes werde ich mit dem Bock zum Chef rollern und es einer Prüfung unterziehen. Von dem „Gegner“ kann ich wohl keine Hilfe erwarten. Oder habt ihr da andere Erfahrungen, wie sowas abläuft?

Bilder vom Arber-Radmarathon und weiteren Veranstaltungen gibt es auf www.firstfotofactory.com.

6 Kommentare

  1. gpway

    Herrlicher Bericht und ein tolle Leistung, ich wünsche dir und deine Plessuren gute Besserung, am Samstag ist mein Ziel auch die 10 Stunden Marke, na schaun wir mal. LG

    Antworten
  2. gretel

    Wirklich schön geschrieben und auch meine Genesungswünsche.

    LG
    Christian

    Antworten
  3. bbbaschtl

    Schadensersatz wirst Du von Deinem Unfallgegner leider kaum bekommen. Bei der Teilnahme an Sportveranstaltungen wird eine Einwilligung in die „typischen Risiken“ der Sportausübung unterstellt. Die Unfallschilderung hört sich nach einem solchen typischen Radunfall an. Eine Absicht oder ein grober Regelverstoß des Vorausfahrenden liegt wohl nicht vor. 🙁
    Aber tröste Dich damit, dass Du ein hervorragende Leistung gebracht hast. Ohne den Sturz wärst Du sicher unter 9 Stunden geblieben und das auf der Ötztaler-Distanz mit fast so viel Höhenmetern. 🙂

    Antworten
  4. Martin (Beitrag Autor)

    Danke der Komplimente und Genesungswünsche. Was mich nicht umbringt, macht mich stark… oder so 😉 .

    @bbbaschtl
    Ich sehe es wie du. Vielleicht war der „Gegner“ in diesem Moment (unbewusst) ein wenig rücksichtslos und ich unaufmerksam. Ich sehe die Schuld noch nicht mal ganz bei ihm. Von daher bin ich froh, dass wenig passiert ist und lerne einfach daraus: Holzauge, sei stets wachsam!
    Beim Ötztaler kommen aber nochmal 2.000Hm drauf – jetzt werde ich erstmal regenerieren 🙂 .

    Antworten
  5. Christof

    Gratulation zu dieser Leistung und zum tollen Bericht. Da haben sich ja einige Höhenmeter angesammelt. Dann wünsche ich Dir gute Besserung und weiterhin gutes Training!

    Antworten
  6. Pingback: 2010 war ein sportlich erfolgreiches Jahr | Rennrad Tischtennis Laufen und anderes

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.