Eine verrückte Hammerwoche

Ich gestehe, eine bessere Idee für die Überschrift hatte ich nicht wirklich. Mal ein Versuch die ausklingende Woche zu betrachten, wobei Samstag und Sonntag im Mittelpunkt stehen:

  • Montag: geplant war eine Tour ins Erzgebirge mit ein paar Radkollegen, doch leider fiel das Ganze so ziemlich ins Wasser und es sind nur nasse 56km geworden
  • Mittwoch: entgegen meines normalen Schlafrhythmus bin ich doch tatsächlich bereits um 5 Uhr aufgestanden, 6:30 Uhr ging es dann los auf eine 75km-Runde
  • Donnerstag: ein Satteltest kam mir gelegen und ich konnte nach der Arbeit noch eine kleine 30km-Runde drehen, recht locker, eben um den Sattel zu fühlen
  • Samstag: 4 Uhr aufstehen, 6:30 Uhr Start, 14:45 Uhr Zieleinlauf nach 210km und 3.000Hm beim Marathon zur Augustusburg
  • Sonntag: 5 Uhr aufstehen, 9:30 Uhr Start, 13 Uhr Zieleinlauf nach 120km beim Skoda-Velothon-Berlin

Wie soll ich sagen… wenn ich mir die zwei Punkte so anschaue, dann weiß ich heute immernoch nicht, was ich mir dabei eigentlich gedacht habe. Am Ende der Woche stehen da jetzt… moment, ich muss mich erstmal setzen… 490km, 14.300Hm und 17h Trainingsumfang. Ihr möget mir meine folgenden Worte entschuldigen: alter Falter… leck mich fett, so war das bestimmt nicht wirklich geplant 😀 .

Radmarathon zur Augustusburg

Am Freitag sollte es ab 17 Uhr die Startunterlagen und die Möglichkeit der Nachmeldung geben. Da ich mich kurzfristig dazu entschieden hatte daran teilzunehmen, bin ich also pünktlich dagewesen und… musste erstmal warten. Denn die Startunterlagen waren noch in einem weißen Transporter unterwegs, der erst gegen 17:30 Uhr eintraf, was meinen Zeitplan ein klein wenig in Gefahr brachte. Die noch zu klärende Frage war: welche Tour? Zur Auswahl standen 20, 45, 80, 125, 160 und eben 205km. Das Rennen machte der Marathon, mit einigem Abstand vor der 160er. Warum? Wenn schon, denn schon. 😉 Letztendlich erhielt ich die Startnummer 009, 007 wäre auch nett gewesen 😉 .

Start zu den offiziell 205km war also 6:30 Uhr mit einem recht kleinen Feld, geschätzte 50 Fahrer. Das Tempo war hoch – die ersten Kilometer, bis zum ersten Hügelchen, gingen bei 1-2% Steigung mit über 40km/h von der Kurbel. Am ersten Hügelchen trennte sich quasi die Spreu vom Weizen… ich jedenfalls fuhr nicht mehr vorn mit, das Tempo hätte ich auf Dauer nicht halten können. Vorwegnehmen kann ich, dass mein Kollege, der auch den Ötztaler mitfährt, in dieser 10er-Gruppe war, die am Ende auf eine 6er schrumpfte, nachdem sich zwei zu nah gekommen sind – und diese Gruppe 1h vor mir im Ziel war… Bei Kilometer 27 ist es dann passiert. Die erste Panne (abgesehen von Platten) mit dem Rad. Beim Schalten am Berg hat es mir den Umwerfer verbogen. Da ich nun im Berg war und auch auf dem kleinen Blatt, konnte ich erstmal  hochfahren. Doch dann musste ich meine Gruppe ziehen lassen, denn ich kam nicht aufs große Blatt. Also anhalten und reparieren. Ja… nur wie? Nachdem mir die Brille angelaufen ist und ich mit der vollen Dosis Adrenalin schon kurz vorm Ausrasten war, habe ich einfach mal durchgeatmet und mir gesagt „Wie sehr willst du dich aufregen, dass es sich von allein repariert?“ Mit sanftroher Gewalt habe ich es dann wieder hinbekommen. Die Finger sahen aus wie… 2 Jahre nicht gewaschen. Schmiere am nassen Gras abwischen funktioniert übrigens nicht nicht, sondern überhaupt nicht. Also musste das Bein herhalten, was eine interessante Kriegsbemalung hergab.

Da ich die Gruppe nun verloren hatte und am ersten Kontrollpunkt auch niemand weiter war, dem ich mich hätte anschließen können, bin ich dann also allein weiter. Super Idee… Irgendwann, am zweiten Kontrollpunkt, habe ich dann jemanden gefunden, den ich vermutlich lieber nicht gefunden hätte. Erstmal hat er mir ein Ohr mit seinem… entschuldigt bitte… Gesülze abgekaut und noch viel schlimmer: vorn fahren konnte er überhaupt nicht. Also nicht, dass er zu langsam war, das wäre ja ok gewesen, erholen hätte man sich ja dennoch können, aber er konnte es wohl wirklich nicht. Er schaute alle 10 Sekunden links… rechts… und wieder… links… rechts… dabei begann er zu eiern. Eine tolle Sache…

Irgendwann kamen wir dann an der Augustusburg an, bei dem es wieder Verpflegung geben sollte. Bis auf Obst und Tee habe ich mich von den anderen Sachen fern gehalten, da ich nicht weiß, wie ich auf diese reagiere. Es war schon toll, so bei Sonnenschein auf die Augustusburg zu rollen (wobei rollen jetzt nicht so passend ist, denn der Weg auf die Augustusburg ist steil) und die ganzen Touristen kamen aus dem Staunen nicht mehr raus 😀 .

Aus strategischen Gründen bin ich etwas länger geblieben, bis mein Begleiter schon losgefahren ist. So bin ich dann auch losgerollert und habe aber noch um die Ecke gewartet, bis jemand kam, dem ich mich anschließen konnte. Und so kam auch jemand, mit einem übrigens sehr schicken KTM-Gerät. Dieses orange kommt unheimlich gut und ist sofort zu erkennen, dass es KTM sein muss. Mit ihm passte das wesentlich besser. Er fuhr so ziemlich mein Tempo, vielleicht etwas schneller als ich, denn wenn ich vorn war, verloren wir etwas an Tempo, aber das schien ihn zum Glück nicht zu stören. An Bergen fuhr ich ihm davon 😀 und wartete dann oben auf ihn, um gemeinsam weiterzufahren. Der letzte Berg vor dem vorletzten Kontrollpunkt war etwas länger, so dass der Kontakt komplett abriss. Er kam dann wenige Minuten nach mir am Kontrollpunkt an.

Hier trafen sich nun so ziemlich viele Fahrer der verschiedenen Strecken. Für die Marathonfahrer gab es eine warme Mahlzeit: Gulasch. Aber auch auf diesen verzichtete ich lieber, die letzten ca. 50km wollte ich nicht abkacken vor die Hunde gehen durch eine ungewohnte Mahlzeit. Nach dem ich ein paar Stückchen Apfel und Banane eingenommen hatte, ging es weiter, allerdings allein.

Auf den letzten Kilometern kam dann unterwegs der ein oder andere Fahrer hinzu, der aber vermutlich von der 160er-Runde kamen. Dennoch formierte sich dann doch mehr oder weniger eine kleinere Gruppe. Allerdings machten es dieser die letzten Steigungen echt schwer. Jeder fuhr sein Tempo im Berg und dann fragte man sich, ob man tatsächlich oben warten sollte oder nicht. Mir schien es in Anbetracht der Kilometer sinnvoller mein Tempo zu fahren, auch wenn es womöglich allein sein sollte. Ich fand den Rhythmus und dann kam er… der so gefürchtete Genickbrecher.

Ca. 5km vor dem Ziel knallte ein 16%iger nochmal so richtig rein. Ansich nicht wirklich lang, lass es 300m sein, dann um die Kurve rum und nochmal 200m. Aber genau diese Kombination nach über 200km und 3.000Hm macht es dann doch unheimlich widerlich.

Nachdem ich dann ins Ziel gerollert bin, wo gerade die Kleinsten ihr Runden drehten, entdeckte ich noch den ein oder anderen bekannten
Radkollegen, der gerade von einer kürzeren Tour kam. Ich habe mich dann fix umgezogen, das Rad verstaut und bin los… heim… das Bett ruft, denn am Sonntag, also heute, sollte es ja nach Berlin gehen.

Skoda-Velothon-Berlin

Aufgestanden um 5 uhr, die Beine schwer wie Blei, müde… Radlerherz, was willst du mehr – mir würde da schon so Einiges einfallen, aber egal. Verabredet war ich mit Thomas aus Berlin. Er ist eine radfahrende und skatebegeisterte Twitterbekanntschaft. Vor einiger Zeit kam, was kommen musste, wir verabredeten uns zum Skoda-Velothon in Berlin. Nach dem gestrigen Akt war ich mir allerdings nicht mehr so sicher, ob das jetzt wirklich so clever war.

Jedenfalls rollerte ich um 6:30 Uhr mit dem Auto und dem Rad auf dem Dach los. Ich sag euch… es ist unheimlich langweilig, früh um 7 uhr, zum Sonntag auf der Autobahn. Es ist zwar nahezu kein Verkehr, aber durch das Rad auf dem Dach ist bei 130km/h Ende Gelände. In Berlin angekommen, also fast angekommen, musste ich nochmal rumdrehen und zurück auf die Autobahn und quasi um Berlin herumfahren, um an den Treffpunkt zu kommen: die Innenstadt war im Prinzip dicht – logisch, hätte ich auch vorher wissen können. Irgendwann kam ich dann doch an und ich wurde freudig begrüßt.

Thomas (@t_al) und meine Wenigkeit kurz vor dem Start

Thomas (@t_al) und meine Wenigkeit kurz vor dem Start

Nach Abschluss der Vorbereitungen rollten wir zum Start in den Block D. Um ca. 9:40 uhr ging es dann los. Was für ein Gedränge. Auf der Autofahrt hatte es ab und zu geregnet, aktuell war es trocken und ich war froh, denn bei Nässe macht’s das Ganze ein stückweit unberechenbar. Und weg war der Thomas. Einmal den Anschluss verpasst und weg, naja… Es war schon gigantisch… die ganzen Leute an der Seite… die Zuschauer feuern einen an, ohne das man ein Profi ist. Einfach herrlich… das geht runter wie Öl. Ich werde auf Arbeit mal vorschlagen, morgens auf dem Gang eine Laolawelle für mich zu organisieren 😀 .

Im ersten Waldabschnitt waren die Straßen noch feucht. Bei einem Abstand von Rad zu Rad von wenigen Zentimetern, gepaart mit besagter Feuchtigkeit und der teilweisen Unerfahrenheit der Teilnehmer dauerte es nicht lange, bis es den ersten Unfall gab. Man hört die Schreie, dicht gefolgt von einem Gepolter und direkt vor mir lagen einige auf dem Boden. Der Fahrer vor mir steuerte geradewegs daraufzu… schrie… und knallte noch voll drüber. Mir war nicht klar, weshalb er nicht ausgewichen ist… Platz war ja.

Die Tine, ebenfalls eine Twitterbekanntschaft, war auch dabei, gestartet mit uns aus dem Startblock D, aber wir haben uns nicht gesehen. Im Feld war eine Fahrerin, deren Beschreibung auf sie passen könnte und so rollte ich daneben und fragte „Servus… bist du die Tine?“ Leider verneinte sie es 😀 .

So fuhren wir von Feld zu Feld, von kleinem zu großem, von großem zu kleinem Feld – Hauptsache Feld. Das Tempo war auch hier sehr hoch, im Vergleich zu gestern allerdings sehr hoch. Ich fahre ja sonst allein und da sind Geschwindigkeiten von knapp über 40km/h eher die Seltenheit. Am Rand waren entweder Fahrer zu sehen, die den Schlauch gewechselt haben, Zuschauer, die uns anfeuerten oder eben Verletzte.

Um den Kilometer 70 herum passierte es. Nein, es knallte nicht, es wurde nur unheimlich nass von oben und kurze Zeit später damit auch von allen Seiten. Schnell angehalten, die Gruppe verloren, Regenjacke angezogen und weiter ging es – die nächste Gruppe kommt ja hier ganz bestimmt. Den Verpflegungspunkt habe ich ausgelassen, wie gefühlte 99,9% der Fahrer in meiner Umgebung. Auf der B101 (war das die B101) ging es weiter auf zwei Spuren und dem Standstreifen 😀 . An einer Kreuzung nahte von links ein Krankenwagen, mit Blaulicht. Als das Feld kurz vor dieser Kreuzung war, machte der Krankenwagen das Martinshorn an. Das Feld rollte mit 35-40km/h, Rad an Rad. Einer bremste, um den Krankenwagen passieren zu lassen und begann meiner Meinung nach damit einen Fehler. Denn das gesamte Feld musste abgebremst werden, theoretisch sogar zum Stillstand gebracht. Das ist einfach unrealistisch. So kam auch hier, was kommen musste: direkt vor dem Krankenwagen krachten mind. 10 Fahrer ineinander. Der Krankenwagen fuhr dann nach unserem Feld raus und überholte uns – er hatte ja einen Einsatz.

Zurück in Berlin ging es über die Berliner Straßen zum Tempelhofer Flugfeld. Hier griff der Wind an… die Sau. Und fast scherbelte es erneut, weil jemand plötzlich einen Schlenker nach links machte, wo aber so ziemlich der größte Teil der Gruppe fuhr. Einer nach dem anderen wich nach links aus, aber irgendwann ist eben auch Schluss und das Gras naht. Man man man… heikel. Da ich im Wind fuhr, war keiner, der mich von rechts hätte bedrängen können. Bald ging es wieder runter vom Flugfeld und zurück auf die Straßen von Berlin.

Langsam wurde es hart. Ich merkte, wie so langsam aber sicher die Muskeln drohten dicht zu machen. Jetzt galt es nur noch ins Ziel zu kommen. Das geschah dann auch, wie angesagt, nach ca. 120km, rollten wir auf der Straße des 17. Juni (?) ins Ziel. Zielzeit für mich war 3h9min, das macht einen Schnitt von knapp 37km/h – alter Falter, was Gruppenfahrt so alles möglich macht.

Nach dem Zielbogen fiel die Anspannung ab. Ich meine, dass genau das, die ca. 400m des Auslaufbereiches ziemlich gefährlich machen. Wenn die Anspannung weg ist, ist meist auch die Konzentration weg. Zum Glück hatte es hier nicht mehr gekracht. Thomas stand mit seinen Kollegen bereits am Getränkestand. Sie warteten ca. 5min auf mich. Da es wieder anfing Wasser von oben zu geben, sind wir zurück zu den Autos, haben uns umgezogen und sind dann auch alle Richtung Heimat los.

Als Fazit zum gesamten Wochenende wähle ich mal die Worte unserer Grandprix-Gewinnerin: Verdammte Axt, ist das geil!… oder so ähnlich 😀

Da der Monat Mai ja für mich im Prinzip heute ausläuft, fasse ich diesen mal eben fix zusammen: 1.299km, 12.100Hm und 50h14min.

… und jetzt wird erstmal regeneriert.

4 Kommentare

  1. bbbaschtl

    Fetten Respekt, ein heftiges Wochenprogramm und höchst achtbar geschlagen! Kraft hast Du ja anscheinend genug, wenn Du den Umwerfer beim Fahren verbiegen kannst. 😉 Tipp: Ich habe neben zwei Ersatzschläuchen und Reifenhebern immer ein paar Einmal-Handschuhe in der Satteltasche: wiegen nix, brauchen kaum Platz und die Hände bleiben sauber, wenn man mal unterwegs was reparieren muss.
    Der Velothon war ja ein ziemliches Himmelfahrtskommando. Ich würde da niemals starten. Auf der flachen Strecke ist klar, dass die Gruppen sehr gross bleiben und dass das brandgefährlich ist, weil viele das Fahren darin nicht beherrschen. Um so besser, dass Du Dich geschickt aus jedem Crash rausgehalten hast.
    Aber eins geht nicht: Anhalten, um die Regenjacke anzuziehen. Das muss während der Fahrt erledigt werden. Angehalten wird nur im äußersten Notfall: Rahmenbruch, Plattfuss und Brechdurchfall… 🙂

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  2. Martin (Beitrag Autor)

    Solche Worte und dann auch noch von dir: Danke, das baut auf und motiviert. Du warst heute auch kurz Thema 🙂 – wir haben dich zum Einstimmen, zur Motivation herangezogen.

    Ich dachte eigentlich, dass der Velothon in Berlin ja landschaftlich abwechslungsreich ist. Ich kann gar nicht sagen, ob er es ist oder nicht, denn ich war so damit beschäftigt auf mich, den vor mir, hinter mir links und rechts aufzupassen. Ich bin mir fast sicher, dass ich das nächstes Jahr nicht nochmal fahre. Ist mir ein Stück zu heftig – im Moment.
    Der Tipp mit den Handschuhen ist nicht schlecht. Warum man auf die einfachsten Dinge nicht selbst kommt… komisch.

    Das mit dem Anhalten kann ich nicht so stehen lassen. Es hat echt böse geregnet. Wenn ich da im Feld anfange die Jacke anzuziehen, nicht weiß wie die um micht herum so drauf sind… nee… lieber anhalten in so einem Fall. Safety first!

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  3. stega

    da hast du aber ein hammer Wochenprogramm hinter dich gebracht. Tztzt, aus medizinischer Sicht war das mit den Kohlenhydratspeichern und so aber nicht soooo günstig 😉 Aber hat ja alles geklappt 🙂

    cooles Foto von euch beiden Verrückten beim Velothon! (werd ich mir ausschneiden und übers Bett hängen *g*).

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  4. Pingback: 2010 war ein sportlich erfolgreiches Jahr | Rennrad Tischtennis Laufen und anderes

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